In diesem Artikel

Du hast auf einen verdächtigen Link geklickt und erst danach bemerkt, dass etwas nicht stimmt? Das bedeutet nicht automatisch, dass dein Konto oder Gerät übernommen wurde. Entscheidend ist, was nach dem Klick passiert ist.

Zuerst: Was genau ist passiert?

Schliesse die verdächtige Seite und gib keine weiteren Daten ein. Ordne kurz ein, was du gemacht hast; es können mehrere Fälle zutreffen:

  • Nur den Link geöffnet
  • Benutzername oder Passwort eingegeben
  • Eine MFA-Anfrage oder Anmeldung bestätigt
  • Eine Datei heruntergeladen oder geöffnet
  • Kreditkarten- oder Bankdaten eingegeben
  • Persönliche oder vertrauliche Informationen übermittelt

Bei einem Geschäftskonto oder Geschäftsgerät informierst du sofort die zuständige IT oder Security über den vorgesehenen internen Weg. Warte damit nicht, bis du alle Schritte selbst ausprobiert hast. Die IT kann beispielsweise Sitzungen beenden und verdächtige Anmeldungen prüfen.

Wenn du keine Daten eingegeben, keine Datei heruntergeladen und nichts bestätigt hast, ist das Risiko in vielen Fällen geringer. Viele Phishing-Seiten benötigen eine weitere Aktion von dir. Schliesse die Seite und öffne sie nicht erneut.

Prüfe, ob unerwartet eine Datei heruntergeladen wurde, und halte Browser und Betriebssystem aktuell. Bei ungewöhnlichen Programmen, Pop-ups oder Sicherheitsmeldungen solltest du genauer prüfen oder professionelle Unterstützung hinzuziehen.

Fall 2: Du hast dein Passwort eingegeben

Gehe davon aus, dass das Passwort möglicherweise in die Hände von Angreifern gelangt ist. Öffne den betroffenen Dienst über seine echte Webseite oder App, nicht erneut über die Nachricht.

  1. Passwort sofort ändern. Wähle ein neues Passwort, das du bei keinem anderen Dienst verwendest.
  2. Wiederverwendete Passwörter ersetzen. Ändere das gleiche Passwort auch bei anderen betroffenen Diensten, etwa E-Mail, Microsoft, Google, Onlineshops, sozialen Netzwerken oder Cloud-Diensten.
  3. Konto kontrollieren. Prüfe die unten aufgeführten Sicherheitsinformationen und ungewöhnlichen Aktivitäten.

Angreifer testen gestohlene Passwörter auch bei anderen Diensten. Wenn du nur einen Benutzernamen oder andere persönliche Angaben übermittelt hast, beachte zusätzlich Fall 6.

Fall 3: Du hast eine MFA-Anfrage bestätigt

Mehrfaktor-Authentifizierung schützt dein Konto zusätzlich, hilft aber nicht, wenn du eine betrügerische Anmeldung selbst bestätigst. Behandle eine bestätigte Anfrage, die du nicht ausgelöst hast, wie eine mögliche Kontoübernahme.

Kontrolliere unbekannte Geräte, Anmeldungen und hinterlegte MFA-Methoden. Entferne unbekannte Telefonnummern, Apps oder Sicherheitsschlüssel. Bei einem geschäftlichen Microsoft-365-, Google-Workspace- oder anderen Unternehmenskonto unterstützt dich die zuständige IT bei diesen Prüfungen.

Fall 4: Du hast eine Datei heruntergeladen oder geöffnet

Nicht jeder Anhang enthält Schadsoftware. Eine unerwartete Datei aus einer verdächtigen Nachricht solltest du trotzdem nicht erneut öffnen. Unterscheide zwischen einem reinen Download und einer bereits geöffneten oder ausgeführten Datei.

Auf einem privaten Gerät

Hast du die Datei nur heruntergeladen, aber nicht geöffnet, lösche sie und leere gegebenenfalls den Papierkorb. Hast du sie geöffnet oder ausgeführt, starte mit der vorhandenen Sicherheitssoftware beziehungsweise dem integrierten Virenschutz einen Scan.

Installiere keine angeblichen „Reinigungsprogramme“ von unbekannten Webseiten. Wenn das Gerät auffällig bleibt oder der Virenschutz etwas findet, hole dir bei Bedarf professionelle Unterstützung.

Auf einem Geschäftsgerät

Melde den Vorfall möglichst sofort an deine IT- oder Security-Ansprechperson. Versuche nicht, ihn durch das Löschen einzelner Dateien „aufzuräumen“ oder zu verbergen. Für die Untersuchung kann wichtig sein, was genau heruntergeladen oder geöffnet wurde.

Fall 5: Du hast Kreditkartendaten eingegeben

Warte nicht auf eine Abbuchung. Kontaktiere Kartenanbieter beziehungsweise Bank möglichst schnell über einen offiziellen Kontaktweg und erkläre, dass die Daten möglicherweise auf einer Phishing-Seite eingegeben wurden. Je nach Situation kann die Karte gesperrt oder ersetzt werden.

Prüfe anschliessend deine Transaktionen auf unbekannte Belastungen. Sind bereits unberechtigte Zahlungen erfolgt, kontaktiere umgehend dein Finanzinstitut. In der Schweiz kann bei finanziellem Schaden zusätzlich eine Anzeige bei der Polizei sinnvoll sein.

Fall 6: Du hast persönliche oder vertrauliche Daten eingegeben

Auch Name, Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum, Ausweisdaten, Kundeninformationen, interne Unternehmensdaten oder vertrauliche Dokumente können für Angreifer interessant sein. Die nächsten Schritte hängen davon ab, welche Informationen betroffen sind.

Melde betroffene Unternehmensdaten intern. Achte bei besonders sensiblen persönlichen Daten in den folgenden Wochen auf ungewöhnliche Nachrichten, Anrufe und weitere Betrugsversuche. Gestohlene Informationen können spätere Angriffe glaubwürdiger erscheinen lassen.

Prüfe dein Konto auf ungewöhnliche Aktivitäten

Wenn Zugangsdaten betroffen waren, kontrolliere die Sicherheitsinformationen. Besonders bei E-Mail-Konten kann ein Angreifer versuchen, den Zugriff auch nach einer Passwortänderung zu behalten.

  • Unbekannte Anmeldungen oder Geräte
  • Neue MFA-Methoden oder geänderte Wiederherstellungsinformationen
  • Unbekannte E-Mail-Weiterleitungen oder Regeln
  • Nachrichten, die du nicht verschickt hast
  • Unerwartete Passwort-Zurücksetzungen

Aktiviere MFA, falls du es noch nicht nutzt

Unterstützt der Dienst Mehrfaktor-Authentifizierung und ist sie noch nicht aktiv, richte sie ein. Ein gestohlenes Passwort allein reicht dann normalerweise nicht mehr für eine Anmeldung. Bestätige keine MFA-Anfrage, die du nicht selbst ausgelöst hast.

Bei der Arbeit gilt: Melden ist wichtiger als verstecken

Ein Fehlklick ist unangenehm. Frühes Melden hilft der zuständigen IT oder Security aber, notwendige Massnahmen zu prüfen. Wenn dieselbe Nachricht an mehrere Mitarbeitende ging, kann deine Meldung auch weitere Klicks verhindern.

Die wichtigsten Sofortmassnahmen

  1. Stoppen: Seite schliessen, keine weiteren Daten eingeben und verdächtige Dateien nicht erneut öffnen.
  2. Passend reagieren: Bei Zugangsdaten betroffene und wiederverwendete Passwörter ersetzen; aktive Sitzungen, Anmeldungen und MFA kontrollieren oder MFA aktivieren. Bei Kartendaten Bank oder Kartenanbieter kontaktieren.
  3. Melden und nachprüfen: Geschäftliche Konten und Geräte sofort intern melden. Beobachte deine Konten in den nächsten Tagen auf ungewöhnliche Aktivitäten.
Kann ich die Phishing-Seite melden?

Verdächtige Webseiten und Phishing-Versuche können in der Schweiz dem Bundesamt für Cybersicherheit gemeldet werden. Eine Meldung hilft, Angriffswellen und betrügerische Webseiten zu erkennen. Im Unternehmen verwendest du zusätzlich den internen Meldeweg.