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Eine Nachricht vom Geschäftsführer landet in deinem Postfach:

„Ich brauche dringend deine Hilfe. Bitte überweise diesen Betrag noch heute. Es ist vertraulich.“

Name, Signatur und Schreibstil wirken plausibel.

Genau darauf setzen Betrüger beim sogenannten CEO Fraud.

Was ist CEO Fraud?

Beim CEO Fraud geben sich Betrüger als Geschäftsführer, Vorgesetzte oder andere Führungspersonen aus.

Das Ziel ist meistens, Mitarbeitende zu einer Handlung zu bewegen, bei der Geld oder andere wertvolle Informationen verloren gehen.

Typische Forderungen sind:

  • eine dringende Überweisung ausführen
  • eine Rechnung sofort bezahlen
  • Geschenkkarten kaufen und Codes übermitteln
  • vertrauliche Dokumente weitergeben
  • eine bestehende Bankverbindung ändern
  • einen normalen Freigabeprozess umgehen

Der Angriff funktioniert nicht unbedingt über technische Tricks.

Oft reicht eine überzeugende Geschichte.

Warum kann die Nachricht so glaubwürdig wirken?

Viele Informationen über ein Unternehmen sind öffentlich verfügbar.

Auf Webseiten oder LinkedIn lässt sich beispielsweise herausfinden:

  • wer Geschäftsführer ist
  • wer in der Buchhaltung arbeitet
  • welche Funktionen Mitarbeitende haben
  • wer gerade neu im Unternehmen ist
  • welche Geschäftspartner bekannt sind

Diese Informationen können verwendet werden, um eine Nachricht persönlicher und glaubwürdiger wirken zu lassen.

Typische Warnsignale

CEO Fraud hat nicht immer dieselben Merkmale.

Bestimmte Kombinationen sollten dich aber aufmerksam machen.

  • Die Anfrage kommt unerwartet
  • Eine Zahlung soll besonders schnell erfolgen
  • Du sollst die Anfrage vertraulich behandeln
  • Ein normaler Freigabeprozess soll umgangen werden
  • Die Bankverbindung hat sich plötzlich geändert
  • Es werden Geschenkkarten oder Gutscheincodes verlangt
  • Die Führungskraft ist angeblich nicht erreichbar
  • Die Nachricht kommt über einen ungewohnten Kanal
  • Die Anfrage passt nicht zu deinem normalen Arbeitsablauf

Ein einzelnes Merkmal beweist noch keinen Betrug.

Mehrere ungewöhnliche Punkte zusammen sind aber ein guter Grund, die Anfrage unabhängig zu prüfen.

Der wichtigste Schutz: unabhängig bestätigen

Du bekommst eine ungewöhnliche Zahlungsanfrage angeblich von deinem Geschäftsführer.

Dann solltest du die Echtheit nicht nur innerhalb derselben E-Mail-Konversation prüfen.

Rufe die Person beispielsweise über eine dir bereits bekannte Telefonnummer an oder frage sie persönlich.

Auch ein bekannter interner Chat kann geeignet sein.

Prozesse nicht wegen Dringlichkeit umgehen

Ein guter Zahlungsprozess schützt nicht nur vor Fehlern.

Er schützt auch vor Social Engineering.

Wenn eine Zahlung normalerweise eine zweite Freigabe benötigt, sollte diese Regel auch dann gelten, wenn die Anfrage angeblich vom Geschäftsführer selbst kommt.

Besonders hilfreich sind beispielsweise:

  • Vier-Augen-Prinzip bei wichtigen Zahlungen
  • klare Zahlungs- und Freigabegrenzen
  • unabhängige Prüfung neuer Bankverbindungen
  • definierte Prozesse für dringende Zahlungen
  • klare interne Meldewege bei verdächtigen Anfragen

Vorsicht bei geänderten Bankverbindungen

Eine besonders gefährliche Variante betrifft bestehende Rechnungen.

Ein angeblicher Lieferant oder Geschäftspartner informiert dich plötzlich:

„Unsere Bankverbindung hat geändert. Bitte verwenden Sie für die offene Rechnung ab sofort dieses Konto.“

Das kann echt sein.

Es kann aber auch ein Betrugsversuch sein.

Änderungen von Zahlungsinformationen solltest du deshalb über einen bereits bekannten Kontaktweg bestätigen – nicht über eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, die nur in der verdächtigen Nachricht angegeben wurde.

Was tun, wenn bereits Geld überwiesen wurde?

Wenn du eine betrügerische Zahlung vermutest, solltest du schnell handeln.

  • zuständige Person im Unternehmen informieren
  • Bank beziehungsweise Finanzinstitut sofort kontaktieren
  • interne IT oder Security informieren, wenn E-Mail-Konten betroffen sein könnten
  • verdächtige Nachricht und relevante Informationen sichern
  • keine weitere Kommunikation mit dem vermeintlichen Absender führen, bevor die Situation geklärt ist

Je früher die Bank informiert wird, desto eher besteht unter Umständen noch eine Möglichkeit, auf die Transaktion zu reagieren.

Bei einem finanziellen Schaden kann zusätzlich eine Meldung bei der Polizei sinnvoll sein.

Eine einfache Regel für den Arbeitsalltag

Bei CEO Fraud geht es selten darum, eine perfekte Fälschung technisch zu entlarven.

Die wichtigste Frage lautet:

Ist diese Anfrage ungewöhnlich genug, dass ich sie unabhängig bestätigen sollte?

Wenn plötzlich Geld, neue Bankdaten, Geheimhaltung oder eine Ausnahme vom normalen Prozess verlangt werden:

Stoppen → über einen zweiten Weg prüfen → Freigabeprozess einhalten.

Damit verlieren viele CEO-Fraud-Angriffe ihren grössten Vorteil: den künstlich erzeugten Zeitdruck.